Die Neuerwerbung der Emder „Kunst“
Pressegespräch am 5. August 2010
Pressegespräch am 5. August 2010
Die Neuerwerbung der Emder „Kunst“
Heute wurde in Anwesenheit von Ruth Kleinschmidt, der Witwe von Dr. Heinrich Kleinschmidt, und Jan Trimborn, des Sohnes von Hans und Maria Trimborn, ein Gemälde von Hans Trimborn der Gesellschaft für bildende Kunst und Vaterländische Altertümer übergeben. Anwesend waren ferner Dr. Annette Kanzenbach, Dr. Reinhold Kolck und Dr. Carsten Jöhnk.
Zum Andenken an Dr. Heinrich Kleinschmidt
Am 23. Juli 2009 verstarb Dr. Heinrich Kleinschmidt, Oberstadtdirektor i.R. Seit 1978 war er Vorsitzender der „Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer“, um nur eines seiner zahlreichen Ehrenämter zu nennen. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er im März 2009 den Vorsitz aufgegeben. Dr. Reinhold Kolck folgte ihm in diesem Amt. In Anerkennung für seine Verdienste um die Gesellschaft wurde Dr. Heinrich Kleinschmidt zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Der Kunst und der Landesgeschichte hatte sein besonderes Interesse gegolten. Immer wieder unterstützte er mit privaten Mitteln zusammen mit seiner Frau Ruth Kleinschmidt den Ankauf oder die Restaurierung von Kunstwerken der Sammlung des Ostfriesischen Landesmuseums Emden, dessen Träger neben der Stadt Emden die „Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer“ ist. Bei seiner Beerdigung bat denn auch die Familie anstelle von Blumen und Kränzen um eine Spende an die Emder „Kunst“.
Wie könnte man das Andenken an Dr. Heinrich Kleinschmidt würdiger bewahren als diese Spenden für den Erwerb eines Gemäldes einzusetzen, das die Sammlung der ihm so am Herzen gelegenen „Kunst“ auf einmalige Weise bereichert. Dies ist nun durch den Ankauf eines Gemäldes von Hans Trimborn (1891-1979) aus dem Besitz von Maria Trimborn, der Witwe des Künstlers, gelungen. Hans Trimborn, der 1919 nach Ostfriesland übersiedelte, gehört zu den besten Künstlern, die in Ostfriesland tätig waren. Für seine künstlerischen Leistungen hatte die Ostfriesische Landschaft Hans Trimborn schon 1963 mit dem Indigenat, der Ehrenbürgerwürde Ostfrieslands, gewürdigt.
Zum Andenken an Hans und Maria Trimborn
Die Emder „Kunst“ und das Ostfriesische Landesmuseum Emden freuen sich, dass von Maria Trimborn eines der eindrucksvollsten Gemälde des Künstlers erworben werden konnte. Das Werk hatte als Bildnis des gemeinsamen Sohnes Jan seinen festen Platz in ihrem Wohnzimmer und stand nie für einen Verkauf zur Verfügung. Nur als Leihgabe hatte sie es 2008 zur Ergänzung der Reihe von Kinderbildnissen in der Dauerausstellung des Museums gegeben.
Im Mai dieses Jahres starb Maria Trimborn. Es war eine ihrer letzten Entscheidungen, den schon oft geäußerten Wunsch des Museums zu erfüllen, dieses Gemälde dauerhaft in seine Sammlung zu übernehmen zu dürfen. Dafür sind wir ihr ebenso wie ihrer Familie, die sie darin unterstützte, sehr dankbar. Das Gemälde bewahrt also auch das Andenken an Maria und Hans Trimborn hier im Ostfriesischen Landesmuseum Emden.
Hans Trimborns Gemälde: Jan mit Laterne, um 1956
Mischtechnik auf Dämmplatte
Das Porträt zeigt den Sohn des Malers im Alter von ungefähr 4 Jahren. Verzückt schaut der Kleine zu seinem Lampion empor, der hell in der Dunkelheit leuchtet. Ihm gehört die ganze Aufmerksamkeit des Kindes, wie noch durch weitere künstlerische Mittel betont wird. Kopf und Laterne haben die annähernd gleiche Größe wie Form und sind vor dem unbestimmt gelassenen, dunklen Hintergrund so dicht beieinander platziert, dass sich eine unmittelbare und höchst eindrucksvolle Korrespondenz ergibt, die die mit Sensibilität erfasste Faszination des Kindes spiegelt.
„Jan mit Laterne“ erweitert die Sammlung von Kinderbildnissen des Museums, von denen eine Auswahl im sog. „Kinderzimmer“ hinter der Gemäldegalerie des Ostfriesischen Landesmuseums Emden gezeigt wird. Diese bei kleinen wie großen Besuchern besonders beliebte Abteilung präsentiert mit dieser Erwerbung nun Kinderbildnisse aus vier Jahrhunderten. Den Betrachter fesselt jedes auf eigene Weise. Zugleich lassen die Bildnisse das sich im Laufe der Zeit verändernde Verständnis vom Kindsein erleben. Die älteren Darstellungen sind vor allem als eine repräsentative Wiedergabe des wohl erzogenen Nachwuchses zu begreifen. Hans Trimborns Gemälde verdeutlicht ein anderes Erziehungsideal. Er schildert seinen Sohn tatsächlich spielend – mit einer Laterne, wie sie die Kinder bei den Umzügen an St. Martin (11. November) tragen. Den Künstler bezauberte offensichtlich in diesem sehr spontan und skizzenhaft gemalten Porträt die alles vergessende Begeisterungsfähigkeit des Kindes.
Der Künstler Hans Trimborn
Hans Trimborn, geboren 1891 in Plittersdorf bei Bonn, hatte (nach einem Medizin-Studium) seine künstlerische Ausbildung als Autodidakt im Kreis der Rheinischen Expressionisten erfahren. 1919 ging er nach Norderney, wo ihm die Badesaison Verdienstmöglichkeiten als Maler wie Musiker versprach. In den Wintermonaten folgte er Einladungen, die er als Musiker aus dem In- und Ausland erhielt. 1939 übersiedelte er zunächst nach Lütetsburg, dann nach Arle, wo er mit seiner Familie in einem einfachen Landhaus lebte. Es schloß sich ein Umzug nach Norden an, wo der Künstler 1979 starb.
Hans Trimborn war als Maler wie Musiker gleichermaßen talentiert und blieb Zeit seines Lebens zwischen diesen Begabungen hin- und hergerissen. Und obgleich er für die Musik eine intensive Malerkarriere vernachlässigte, schuf er ein umfassendes und tief gefühltes zeichnerisches und malerisches Werk, das ihn als einen aufmerksamen Beobachter der Landschaft wie der Menschen ausweist.
Seine in Ostfriesland breit bekannten Landschaftsbilder sind Meisterwerke in der mal mehr impressionistisch, mal mehr expressionistisch umgesetzten Schilderung der der Nordseeküste mit ihrer besonderen Atmosphäre. Große Sensibilität und intuitive künstlerische Gestaltungskraft zeichnet aber auch die anderen Bereiche seines Schaffens aus. An erster Stelle ist dafür das Porträt zu nennen. Bei den Sommergästen auf Norderney ließ sich natürlich mit Porträtaufträgen Geld verdienen, doch viel häufiger war es das eigene künstlerische Interesse, das den Maler zu seinen Künstlerwerkzeugen greifen ließ, um einen Menschen im Bildnis festzuhalten. Es sind Werke, die er für sich, nicht für Verkauf schuf. Sie zeigen ortsbekannte Charaktere und Freunde, aber auch zufällige Bekanntschaften, die als Typ oder Charakter, in ihrer Verinnerlichung oder in ihrer harmonischen Schönheit seine Aufmerksamkeit erregten.
Und es waren immer wieder seine Frau, die er mit großer Sensibilität schilderte, der kleine Sohn, den er beim Spiel festhielt, oder das eigene Ich, das er kritisch reflektierte. Mal sind die Porträts sorgfältig durchgearbeitete Kopfstücke, mal skizzenhaft ausgeführte ganzfigurige Kompositionen, in denen die Umgebung als Ausdrucksträger hinzutritt. Immer sind es den Betrachter ganz unmittelbar ansprechende, intensive Charakterstudien. Sie lassen erkennen, dass Hans Trimborn nicht nur ein aufmerksamer Menschenbeobachter war, sondern das Gesehene oder Erspürte auch höchst treffend umzusetzen verstand.
Hans Trimborn-Ausstellung 2011
Das Ostfriesische Landesmuseum Emden zeigt im kommenden Jahr 2011 eine Ausstellung mit Zeichnungen und Gemälden von Hans Trimborn.
Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Dr. Reinhold Kolck
Vorsitzender der Gesellschaft für bildende Kunst
und vaterländische Altertümer
04921/ 87 20 58
Kolck@wirtschaftsarchiv-nordwest.de
Dr. Carsten Jöhnk
Direktor des Ostfriesischen Landesmuseums Emden
04921/ 87 20 58
landesmuseum@emden.de
Dr. Annette Kanzenbach
Wiss. Mitarbeiterin am Ostfriesischen Landesmuseum Emden
04921/ 87 20 53
kanzenbach@emden.de





