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Emden ist erste Reformationsstadt Europas

Ostfriesisches Landesmuseum Emden
RATHAUS AM DELFT
Brückstraße 1 | 26725 Emden
Tel.: +49 (0)4921 - 87 20 58
Di. - So. sowie feiertags:
10:00 - 17:00 Uhr

UNSERE NÄCHSTEN VERANSTALTUNGEN

Dezember
KIDS IN!
MITMACH-AKTIONEN FÜR KINDER AB 6 JAHREN

16. Dezember 11:30 Uhr; Ostfriesisches Landesmuseum Emden
plattdeutsche Sonntagsführung durch Sonderausstellung „O welche Lust, Soldat zu sein?“
Ilse Frerichs

24., 25. Dezember sowie 31. Dezember 2018, 1. Januar 2019 - geschlossen
Öffnungszeiten während der Feiertage

06. Januar 2018, 11:30 Uhr
Sonntagsführung durch die Sonderausstellung „O welche Lust Soldat zu sein“
Aiko Schmidt, M.A., Kurator

08.01.2018 19:30 Uhr Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Rummel
„Gefallenengedenken und Gefallenendenkmäler in Ostfriesland nach dem Ersten Weltkrieg“. Vortrag im Rahmen der Sonderausstellung „O welche Lust Soldat zu sein“
Vortrag von Dr. Paul Weßels, Leiter der Landschaftsbibliothek Aurich:

29.01.2018 19:30 Uhr Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Rummel
„Der ferne Krieg – Medien des Erlebens und Gedenkens“. Vortrag im Rahmen der Sonderausstellung „O welche Lust Soldat zu sein“
Vortrag von Dr. Karl-Heinz Ziessow, ehem. stellv. Leiter des Museumsdorfes Cloppenburg:

KUNSTWERK DES MONATS APRIL 2002

Ein Grundstein der Emder Gasthauskirche

Als 1937 der Umbau des ehemaligen Waisenhauses, des sog. Gasthauses, zu einem Verwaltungsgebäude beginnen sollte, wurden bei den Ausschachtungsarbeiten archäologische Grabungen durchgeführt.

Weihekreuz des Franziskanerklosters in Mittelfaldern
um 1317
Ton
22,0 x 13,0 x 8,0 cm
Inv.Nr.: Pl 117

Dies war deshalb von Interesse, weil die Gebäude ursprünglich als Franziskanerkloster gebaut und genutzt worden waren. Die Gasthauskirche war ein relativ schlichter gotischer Backsteinbau, der sich unter Verzicht auf Glockentürme, bunte Glasfenster und prunkvolle Ausstattung dem franziskanischen Ideal der Bescheidenheit angemessen zeigte. Daher erwartete man keine wertvollen Funde. Der Fund eines gut erhaltenen kreuzförmigen Grundsteins des Klosters war aber herausragend. Er wurde in den Besitz des Ostfriesischen Landesmuseums gegeben und konnte vor kurzem wieder entdeckt werden.
Wie auch heute noch wurde bei mittelalterlichen Bauten ein Grundstein gelegt, der bei Kirchenbauten aufgrund der Bedeutung die Kreuzesform zeigen sollte. Bei handgeformten Backsteinen geht dies relativ leicht. Bei dem Grundstein des Emder Klosters ist die untere Kante gerade, das obere und die seitlichen Enden sind halbrund geformt. Zusätzlich wurde ein weiteres Weihe-Kreuz mit dem Daumen auf den frischen Formstein gestrichen, bevor er im Ofen gebrannt wurde. Somit trug das Kreuz durch seine Weihe den gesamten neuen Bauabschnitt und sicherte seinen Bestand.
Der Orden der Franziskaner gründete 1317 eine Niederlassung in dem Vorort Faldern gegenüber der Stadt Emden. Es war in Ostfriesland sein einziges Kloster. Gemeinsam mit anderen niederländischen Franziskanerklöstern war es der Kustodie Deventer unterstellt, die wiederum zur Ordensprovinz Köln zählte. Das Gebäude in Faldern hatte ein Langhaus von drei Jochen mit dem schmalen Seitenschiff entlang der Brückstraße
sowie dem langen Chor einer späteren Bauzeit. Aus der Zeit nach 1405 stammte auch der herrliche hohe Dachreiter mit der Glocke.
Die Stadt Emden und der Ort Faldern waren noch durch den Delft getrennt. Mit dem Bau einer Brücke 1369 wurde die Verbindung zwischen Stadt und Kloster erleichtert. Die Franziskaner suchten ohnehin den direkten Kontakt zu den Menschen in der Stadt, um karitativ wirken zu können. Erst 1570 wurde dieser Bereich Falderns offiziell in die Stadt Emden aufgenommen und kurz danach, ab 1574, neben dem Franziskanerkloster das prunkvolle Rathaus gebaut. Hier lag nun der Mittelpunkt der Stadt.
Die Nutzung des Klosters war für die ostfriesischen Häuptlinge schon im frühen 15. Jahrhundert interessant, die hier Verhandlungen mit den Hamburgern abhielten. 1464 wurde Ulrich I. Cirksena in der Kirche feierlich zum Grafen erhoben. Nach der Reformation wurde 1555 das Feiern der Katholischen Messe in der Kirche verboten, 1561 verließen die letzten Mönche das Kloster. Das ehemalige Kloster wurde jetzt zum städtischen Waisen- und Armenhaus. Die reformierte Kirche und das Waisenhaus behielten aber ihre wichtige Stellung in der Stadt.
1938 wurde das Gasthaus durch Brandstiftung vernichtet. Nur dieser schöne Grundstein des Bauwerks hat die Zeiten überdauert, und auch dies nur, weil er als archäologisches Fundstück im Ostfriesischen Landesmuseum aufbewahrt wurde.

Dr. Hans-Peter Glimme