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Ostfriesisches Landesmuseum Emden
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Sonderausstellung 20. September - 20. Dezember, Johannes a Lasco Bibliothek
Das Ostfriesische Landesmuseum Emden unterstützt das aktuelle Sonderausstellungsprojekt in der Johannes a Lasco Bibliothek
BERNHARD BRAHMS - Die Welten eines Emders

David und Johann Fabricius

Die Ostfrieslandkarte des David Fabricius 

David und Johann Fabricius

Der am 9. März 1564 in Esens geborene David Fabricius besuchte die Lateinschule in Braunschweig und lernte dort u. a. die naturwissenschaftlichen Fächer Astronomie und Mathematik kennen. Dennoch studierte er in Helmstedt Theologie. Bereits im Alter von 20 Jahren übernahm er die lutherische Predigerstelle in Resterhafe bei Dornum. Als erster nachweislicher Mensch beobachtete Fabricius am 3. und 13. August 1596 einen Stern mit periodisch wechselndem Licht, der sich etwa 300 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild des Walfisches befindet und von ostfriesischem Boden im Herbst und Winter am Abendhimmel zu sehen ist. Das Sternbild ist nach dem in der Andromeda-Sage vorkommende Meeresungeheuer Keto (Ketos; Cetus), das von Perseus mithilfe des abgeschlagenen Hauptes des Medusa versteinert wurde, benannt.

Das Wissen um den veränderlichen Stern geriet nach Fabricius‘ Tod zunächst in Vergessenheit, doch das Himmelsgebilde wurde von dem westfriesischen Astronomen Johannes Phocylides Holwarda (* 1618 in Holwerd † 22.1.1651) 1639 wiederentdeckt und erhielt von dem Naturforscher Johannes Hevelius (* 28.1.1611 in Danzig † 28.1.1687 in Danzig) den Namen „Mira“ („Die Wunderbare“). Heute ist der Stern eher als „Omikron Ceti“ bekannt. Holwarda stellte auch fest, dass die Helligkeit des Sterns sich mehr oder weniger regelmäßig verändert. Der Rote Riese (Stern mit großer Ausdehnung und hoher Leuchtkraft) „Mira“ ist im Mittel etwa 400mal größer als unsere Sonne. Nach ihm sind pulsierende, langperiodisch veränderliche Riesen- und Überriesensterne als „Mira-Sterne“ benannt.

Erst 1923 stellten Astronomen fest, dass in unmittelbarer Nähe zu „Mira A“ sich der Weiße Zwerg (Stern mit hoher Oberflächentemperatur, aber nur geringer Leuchtkraft) „Mira B“ („VZ Ceti“) befindet – gemeinsam bilden sie einen Doppelstern.

David Fabricius korrespondierte mit Tycho Brahe (* 14.12.1546 in Knudstrup † 24.10.1601 in Prag) und Johannes Kepler (* 27.12.1571 in Weil † 15.11.1630 in Regensburg), den bekanntesten Astronomen seiner Zeit, die seit 1599 am Hof des Deutschen Kaisers Rudolf II. (* 18.7.1552 in Wien † 20.1.1612 in Prag, 1576 – 1612 Deutscher Kaiser) in Prag wirkten.

Der am 8. Januar 1587 in Resterhafe zur Welt gekommene Johann Fabricius, Sohn des David Fabricius, studierte 1605 in Helmstedt, 1606 in Wittenberg und 1609 in Leiden Naturwissenschaften und Medizin. 1610 brachte er ein dioptrisches Fernrohr (Linsenfernrohr), das erst zwei Jahre zuvor von dem deutsch-niederländischen Brillenmacher Hans (Jan) Lipperhey (* um 1570 in Wesel † September 1619 in Middelburg) entwickelt worden war, mit in die Heimat. Das dioptrische Fernrohr ist heute bekannter als galileisches Fernrohr, denn Lipperhey konnte kein Patent auf sein Teleskop erhalten und der weitaus bekanntere italienische Physiker Galileo Galilei (* 15.2.1564 in Pisa † 8.1.1642 in Arcetri bei Florenz), der Lipperheys Erfindung nicht gekannt hatte, baute 1609 ebenfalls ein dioptrisches Fernrohr. 1611 erfand Kepler das astronomische Fernrohr, das wirkliche und vergrößerte, jedoch umgekehrte Bilder liefert, dessen Okular (die dem Auge zugewandte Linse) und Objektiv (die dem Objekt zugewandte Linse) jeweils aus einer Sammellinse (Konvexlinse, die in der Mitte dicker als am Rand ist) bestehen. 1616 baute Nicolaus Zucchius (* 6.12.1586 in Parma † 21.5.1670 in Rom) ein katoptrisches Fernrohr (Spiegelfernrohr).

Unter Zuhilfenahme des dioptrischen Fernrohrs entdeckten Johann und David Fabricius am 27. Februar 1611 Flecken auf der Sonne, nämlich zumeist in Gruppen auftretende Pole kräftiger Magnetfelder, die einen Durchmesser von bis zu 50.000 Kilometern und eine Lebensdauer von zwischen überwiegend wenigen und höchstens 100 Tagen besitzen. Johann schloss aus der Entdeckung der Sonnenflecken, dass der Stern rotiert. Wenn auch schon zuvor Galilei im Juli oder August 1610, Thomas Harriot (* 1560 in Oxford † 2.7.1621 bei Isleworth) am 28. November 1610 und Christoph Scheiner (* 25.7.1575 in Markt Wald † 18.7.1650 in Neisse) am 24. Februar 1611 diese Flecken erblickt hatten, so publizierte Johann Fabricius als erster darüber in seiner 1611 in Wittenberg erschienenen Schrift „De maculis in sole observatis“ („Von den in der Sonne beobachteten Flecken“),.

Zwei Tage nach seinem 30. Geburtstag starb Johann Fabricius starb am 10. Januar 1617 in Dresden. David Fabricius wurde am 7. Mai 1617 in Osteel ermordet, nachdem er während des Gottesdienstes einen Dorfbewohner, ohne ihn namentlich zu benennen, als Gänsedieb bezeichnet hatte. Schon wenige Jahrzehnte nach ihrem Tod ehrte Giovanni Battista Riccioli (* 17.4.1598 in Ferrara † 25.6.1671 in Bologna) die beiden ostfriesischen Astronomen, als er einem vor etwa zwei Milliarden Jahren entstandenen Einschlagkrater (Ringgebirge) mit einem Durchmesser von 76 Kilometern und Wallhöhen von bis zu 2.500 Metern im Süden der Mondvorderseite den Namen „Fabricius“ gab.

Aiko Schmidt

Bildnachweise
Sonnenflecken 1:
Sonnenoberfläche mit Flecken und Fackeln, von Greenwich aus gesehen, Fotografie, 8.7.1892, aus: Unbekannt, Sonne, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens 6., gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage, Bd. 18 (Schöneberg – Sternbedeckung), Leipzig / Wien 1908, S. 599 – 603.