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Ostfriesisches Landesmuseum Emden
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Sonderausstellung 20. September - 20. Dezember, Johannes a Lasco Bibliothek
Das Ostfriesische Landesmuseum Emden unterstützt das aktuelle Sonderausstellungsprojekt in der Johannes a Lasco Bibliothek
BERNHARD BRAHMS - Die Welten eines Emders

Nova totius terrarum orbis tabula – Neue Tafel des ganzen Weltkreises

Die Welt des 17. Jahrhunderts

 Nova totius terrarum orbis tabula – Neue Tafel des ganzen Weltkreises

Aiko Schmidt, M.A.

Zwar soll am 22. April, dem „Tag der Erde“, die Wertschätzung unserer natürlichen Umwelt gestärkt und das menschliche Konsumverhalten in Frage gestellt werden, um unserem Planeten eine von Artenvielfalt geprägte Zukunft zu ermöglichen, aber vielleicht sei auch ein Blick zurück erlaubt.

Vor mehr als 350 Jahren stellte sich den Menschen in Mitteleuropa die Erde folgendermaßen dar: Die Kontinente Afrika, Asien, Europa und Südamerika waren – zumindest entlang ihrer Außengrenzen – hinlänglich bekannt. Nordamerikas Ostküste war von Europäern besiedelt und Australiens Westküste von Europäern besucht worden. Der nordamerikanische Nordwesten genauso wie der australische Osten und Neuseeland hingegen waren von weißhäutigen Menschen noch nicht vermessen und gezeichnet worden. Die schon längst als existent vermutete Antarktis rund um den Südpol hatte zu diesem Zeitpunkt wohl noch kein Mensch gesichtet. Diesen europäischen Erkenntnisstand vermittelt das als Zwei-Hemisphären-Karte gestaltete und als „Nova totius terrarum orbis tabula“ (Neue Tafel des ganzen Weltkreises) bezeichnete grafische Blatt (Inv.Nr.: GS Kunst 2180), das in der Abteilung „Küste und Kartografie“ des Ostfriesischen Landesmuseums Emden präsentiert wird. Sie wurde zwischen 1660 und 1666 von Danckert Danckerts (1634 Amsterdam – 1666 Amsterdam) geschaffen.

Die noch unentdeckte Antarktis fehlt und Australien ist als „Hollandia Nova“, also Neuholland, bezeichnet. Diesen Namen hatte der aus der Provinz Groningen stammende Abel Tasman (1603 Lutjegast – 1659 Batavia / Java) allerdings einer Insel vor der Südspitze Australiens gegeben, als er 1642 im Auftrag der Niederländischen Ostindien-Kompanie den Kontinent erforschen sollte, aber komplett an ihm vorbeisegelte. Diese Insel ist heute als Tasmanien bekannt. Großes Interesse an einer Besiedlung der zwischen Indischem und Pazifischem Ozean gelegenen Landmasse auf der Südhalbkugel bestand von europäischer Seite nicht. Erst 1770 sollte James Cook den Ostteil Australiens für die englische Krone in Besitz nehmen.

Die ganze Welt in einen Rahmen mit der Höhe von 39,5 cm und der Breite von 56,5 cm zu pressen, bedeutet natürlich, dass auch von den bekannten Gegenden nur ein sehr kleiner und ausgewählter Teil präsentiert werden kann. Just zu einer Zeit, als Emden unter der fortschreitenden Versandung des alten um die Insel Nesserland führenden Emsarms und dementsprechend einem wirtschaftlichen Niedergang zu leiden hatte, kam die neue Tafel des ganzen Weltkreises auf den Markt. Für Danckerts war die am Dollart gelegene Seehafenstadt aber immer noch bedeutsam genug, um sie als eine von vier deutschen Städten neben Augsburg, Hamburg und Köln einzuzeichnen.

Über und unter den beiden Erdhälften befinden sich die Darstellungen überwiegend mythologischer Figuren. Zwischen einem bärtigen Kosmografen, der einen Zirkel und ein kugelförmiges Himmelsmodell in den Händen hält, am linken Blattrand und einem mit Zirkel und Globus ausgestatteten Kartografen am rechten Blattrand sind oben von links nach rechts den Göttervater Zeus / Jupiter mit einem Adler, die Liebesgöttin Aphrodite / Venus mit dem Liebesgott Eros / Amor, den Sonnengott Helios / Sol und darunter die Mondgöttin Selene / Luna, den Götterboten Hermes / Merkur, den Kriegsgott Ares / Mars mit Schwert und Schild sowie den Zeitgott Kronos / Saturn mit der Sense zu erkennen. Unterhalb der Weltkarte sind von links nach rechts die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter / Ceres mit Blumen in den Händen, die unbekleidete Göttermutter Hera / Juno, der Fruchtbarkeitsgott Dionysos / Bacchus mit Weintrauben und einem Trinkpokal in den Händen sowie ein Philosoph abgebildet. Die letzte Figur in der rechten unteren Ecke, der Freund der Weisheit (griechisch „philosophos“), stellt somit einen Denker dar, der sich Gedanken über die Grundlagen des menschlichen Seins und die Rolle seiner Spezies innerhalb der Umwelt macht – und das hoffentlich nicht nur am 22. April, dem „Tag der Erde“.