NETZWERKPARTNER

Emden ist erste Reformationsstadt Europas

Ostfriesisches Landesmuseum Emden
RATHAUS AM DELFT
Brückstraße 1 | 26725 Emden
Tel.: +49 (0)4921 - 87 20 58
Di. - So. sowie feiertags:
10:00 - 17:00 Uhr

UNSERE NÄCHSTEN VERANSTALTUNGEN

Freitags 16:00-17:30 Uhr
KIDS IN!
MITMACH-AKTIONEN FÜR KINDER AB 6 JAHREN

1.-2. November - 19:00-10:00 Uhr
Eine Nacht im Museum
Übernachtung für Kinder im Alter von 6 - 12 Jahren

2. November - 15:00 Uhr, Neues Theater
Eröffnungsvorstellung der Sonderausstellung
Salto Mortale - Zirkuswelten in der Kunst des 20. Jahrhunderts

3. November 2019
27. EMDER MUSEUMSTAG
Emden in seinem Element

KUNSTWERK DES MONATS APRIL 2013

Sicher ins Jenseits

Das Ostfriesische Landesmuseum Emden versteht sich als europäisches Regionalmuseum, das Einblicke in frühere Lebensverhältnisse der Menschen im gesamten ostfriesischen Raum gibt. Von daher finden sich dort auch Objekte, die nicht nur aus Emden, sondern auch aus anderen Gegenden Ostfrieslands stammen. Zu diesen Objekten gehört ein kleiner Schlüssel, der in der Abteilung „Von Taufe und Tod, Recht und Freiheit“ ausgestellt ist.

Schlüssel mit tropfenförmigem Griff
2. Hälfte 8. Jahrhundert / Anfang 9. Jahrhundert
L: 6,6 cm; B: 2,9 cm
Ostfriesisches Landesmuseum Emden
Inv.Nr.: P 169

Der Schlüssel befindet sich seit Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer und wurde ihr 1877 geschenkt. Gefunden wurde der Gegenstand bei Oldendorp unweit von Ditzum im damaligen Kreis Weener. Die Abtragung einer Warf hatte dort im Jahre 1876 ein mittelalterliches Gräberfeld mit Urnen- und Körperbestattungen zum Vorschein gebracht. Einige der damaligen Funde, darunter dieser Schlüssel, sind bis heute erhalten geblieben.
Der Schlüssel besitzt einen tropfenförmigen Griff und hat einen hohlen Schaft, die mit einer umlaufenden Wulst voneinander abgesetzt sind. Das andere Ende wird von einem rechteckigen Bart begrenzt, der zwei hornartige Erhebungen an den Ecken und ein wiederum rechteckiges Loch in der Mitte aufweist. Seine Länge beträgt 6,6 cm, die Breite am Kopf 2,9 cm und am Bart 2,7 cm. Der Schlüssel wurde aus Bronze hergestellt. Trotz seines Alters, er stammt aus dem Mittelalter, ist er sehr gut erhalten und weist nur wenige Korrosionsstellen auf.
Der Schlüssel lässt sich in die zweite Hälfte des 8. bzw. in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts datieren. Damit gehört er in die letzte Zeit der Warfenperiode von 750 bis 1000. In dieser Zeit wurden letztmals Warfen gebaut oder erhöht, bevor dann ab den Jahren um 1000 der Deichbau als Küstenschutz Verbreitung fand. Die Friesen hatten ihre Siedlungsplätze schon im 7. Jahrhundert bis zur Weser ausgedehnt und die Chauken aus dem Weser-Ems-Gebiet verdrängt. Die Zeit war des Weiteren gekennzeichnet von dem sich ausdehnenden Frankenreich, welches gleichzeitig die Verbreitung des Christentums mit sich brachte. Darüber hinaus stießen von Osten kommend die Sachsen nach Westen vor. Welchem Volk dieser Gegenstand nun zuzurechnen ist, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Die archäologische Fachliteratur schreibt ihm aber eine vermutlich fränkische Herkunft zu.
Mit dem Christentum wurde die Brandbestattung verboten und allein die Körperbestattung war erlaubt. Die Herstellung und Nutzung des Schlüssels fällt in die Zeit des Übergangs vom Heidentum zum Christentum. Und eine entsprechende religiöse Funktion hat dieses Objekt auch aufzuweisen. Denn es war eine oftmals angewendete Grabbeigabe für eine Körperbestattung. Im religiösen Glauben der damals lebenden Menschen legte man dem Verstorbenen einen solchen Schlüssel mit ins Grab, damit er nach seinem Tod und der Fahrt gen Himmel vor Gott die Himmelstür aufschließen und Eingang in das Himmelsreich, also ins Jenseits, finden konnte. Damit verbindet der Gegenstand die beiden im Frühmittelalter in Westeuropa vorherrschenden Glaubenssysteme.
Weitere Schlüssel dieser Art sind auch in der aktuellen Sonderausstellung „Land der Entdeckungen. Die Archäologie des friesischen Küstenraums“ im Ostfriesischen Landesmuseum Emden zu sehen.

Caroline Schott M. A.