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KUNSTWERK DES MONATS DEZEMBER 2013

Der Vater der Allgemeinen und Integrativen Psychiatrie und Psychotherapie

1811 ließ sich ein 52jähriger Mann, der als „Vater der Allgemeinen und Integrativen Psychiatrie und Psychotherapie“ in die Geschichte einging, in Berlin von Heinrich Anton Dähling porträtieren.

Zeichner: Heinrich Anton Dähling (1773 – 1850)
Stecher: Friedrich Wilhelm Bolling (1777 – 1825)
„Doctor Iohann Christian Reil“
1811
Mezzotinto
H: 30,2 cm; B: 22,7 cm (Bildmaß)
Inv.Nr.: GS Kunst 1890

Mit wachen Augen blickt der blonde oder doch schon ergraute Dargestellte den Betrachter an. Unter dem Revers des langen, dunklen und zugeknöpften Mantels lugt der Roter-Adler-Orden 3. Klasse hervor. Vor seinem rechten Unterarm, den er auf einen mit einem Tuch bedeckten Tisch gelegt hat, befindet sich ein menschlicher Schädel, der einen Hinweis auf die Profession des Mannes gibt, vielleicht aber auch nur die Vergänglichkeit des Menschen verdeutlichen soll.
Zwei Jahre später, am 22. November 1813, verstarb der Porträtierte in Halle an der Saale, wo er seit 1787 als außerordentlicher Professor der Medizin tätig gewesen war. Johann Christian Reil wurde am 28. Februar 1759 in Rhaude als Sohn des lutherischen Predigers Johann Julius Friedrich Reil (1716 – 1780) und seiner Ehefrau Anna Jansen-Streng (1731 – 1802) geboren. 1779 nahm Johann Christian das Studium der Medizin in Göttingen auf, wechselte aber schon im nächsten Jahr an die Universität in Halle an der Saale. 1782 wurde Reil zum Doktor der Medizin und Chirurgie promoviert und erhielt in Berlin die Approbation, also die Zulassung, als Arzt tätig zu werden. Zunächst zog es ihn zurück nach Ostfriesland und er praktizierte in Norden. Schon 1785 publizierte Reil den ersten Band seines Ratgebers „Diätetischer Hausarzt für meine Landsleute“, dem zwei Jahre später der zweite Band folgte, als er schon an der Universität in Halle an der Saale als Privatdozent wirkte. 1788 übernahm er den Lehrstuhl seines jung verstorbenen Lehrmeisters Johann Friedrich Gottlieb Goldhagen (1742 – 1788) an der Medizinischen Fakultät, wurde gleichzeitig Direktor des zwei Jahre zuvor eingerichteten Klinischen Instituts und fungierte als Stadtphysikus, der die Aufgabe hatte, die Gesundheitsvorsorge der Einwohner zu kontrollieren. Ebenfalls 1788 heiratete Johann Christian die aus einer wohlhabenden Hallenser Familie stammende Johanna Wilhelmine Levaux (gest. 1813).
Als ordentlicher Professor lehrte er die unterschiedlichsten Themen wie Physiologie, Diätetik, Hygiene, Pharmakologie, Pathologie, Therapie, Chirurgie, Frauen- und Augenheilkunde. Aufgrund seiner Vielfältigkeit und unkonventionellen Vorstellungen stieg die Anzahl der Medizinstudenten in Halle an der Saale stark an. Von 1796 bis 1813 gab Reil das „Archiv für Physiologie“ heraus und prägte 1808 den Begriff „Psychiatrie“. Er gilt als der Vater der modernen Nervenheilkunde (Neurologie) sowie der Integrativen Psychiatrie und Psychotherapie, bei der gleichzeitig verschiedene psychiatrische, internistisch-chirurgische oder neurologische Krankheitsbilder eines Patienten behandelt werden.
Dähling (1773 – 1850), eigentlich ein Genre- und Historienmaler, war 1811 Mitglied der Berliner Akademie der bildenden Künste geworden und übernahm 1814 dort als Professor die Zeichenklasse. Noch 1811 vervielfältigte Friedrich Wilhelm Bollinger das mit Ölkreide gezeichnete Dreiviertelstück als Schabkunstblatt. Die auch Mezzotinto genannte Schabkunst ist ein 1642 von Ludwig von Siegen (1609 – 1680) entwickeltes Tiefdruckverfahren, mit dem weiche, abgestufte Halbtonflächen erzeugt werden können. Die Kupferplatte wird zunächst mit dem Wiegestahl oder -messer gleichmäßig aufgeraut, so dass viele kleine Vertiefungen entstehen, die im Druck eine gleichmäßige dunkle Fläche hervorrufen. Um das hellere Bild zu schaffen, werden danach mit einem Schaber oder einem Polierstab die entsprechenden Flächen wieder geglättet. An diesen Stellen bleibt die Druckfarbe schlechter oder gar nicht haften. Bollinger (1777 – 1825), der vor allem als Reproduktionsgrafiker arbeitete, war ebenfalls Professor an der Kunstakademie in Berlin.

Aiko Schmidt M. A.