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Emden ist erste Reformationsstadt Europas

Ostfriesisches Landesmuseum Emden
RATHAUS AM DELFT
Brückstraße 1 | 26725 Emden
Tel.: +49 (0)4921 - 87 20 58
Di. - So. sowie feiertags:
10:00 - 17:00 Uhr

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Freitags 16:00-17:30 Uhr
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3. März-26. Mai
Als Künstler Emden inszenierten
Begleitprogramm

vorübergehende Schließung
Abteilung Ur- und Frühgeschichte/ Frühes Leben an der Küste
vorübergehende Schließung

26. Mai - 15:00 Uhr
Finissage
Als Künstler Emden inszenierten

26. Mai - 11:30 Uhr
Sonntagsführung zur Finissage mit der Kuratorin Dr. Annette Kanzenbach
Als Künstler Emden inszenierten

KUNSTWERK DES MONATS NOVEMBER 1999 (2)

Die Osterpiepe in Emden

Seit dem 15. November 1999 besitzt das Ostfriesische Landesmuseum und Emder Rüstkammer ein Gemälde von Jacques Matthias Schenker, das eine Emder Ansicht zeigt. Das Gemälde wurde von den Damen, die ehrenamtlich im Rathaus am Delft die Teestube und den KUNST-Laden betreiben, dem Museum geschenkt.

Jacques Matthias Schenker (1854 Luzern – 1927 Vitznau / Kanton Luzern)
Die Osterpiepe in Emden
7. August 1891
Öl auf Leinwand
30,0 x 31,7 cm
Inv.Nr.: OLM 494

Das in zurückhaltenden Rot- und Gelb- sowie ins Gräuliche tendierenden Weißtönen gemalte Bild gewährt einen Blick über das Osterpiepen Tief auf zwei Giebelhäuser. Im Vordergrund rechts führt eine steinerne Brücke mit drei Röhren (Piepen) und einem schmiedeeisernen Geländer – die Osterpiepe – über den Kanal. Der teilweise pastose Farbauftrag vermittelt anschaulich den Eindruck der uneben gepflasterten Straße über das Tief. Am linken Bildrand und in der unteren Bildmitte führen hölzerne Treppen direkt an der Brücke hinunter zum Kanal. Die an den Wasserstraßen gelegenen Giebelhäuser mit ihren Lastenaufzügen unter dem Dach waren typisch für das Emder Stadtbild vor der Zerstörung im zweiten Weltkrieg. Das Osterpiepen Tief war das vordere Teilstück der Wasserverbindung zwischen Falderndelft und Altem Graben und diente als Zubringer zum Torfmarkt, der auf dem Gemälde nicht mehr dargestellt ist. Das Osterpiepen Tief ist nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso wie der Brauersgraben, das hintere Teilstück, mit dem Schutt der zerbombten Innenstadt zugeschüttet worden. So befindet sich der einst direkt vor dem Telegraphenamt gelegene Stephansplatz heute über dem einstigen Osterpiepen Tief als auch über dem ehemaligen Brauersgraben. An der Stelle des ursprünglichen Stephansplatzes verläuft heute die Stephanstraße.
Das in der Bildmitte dargestellte Haus würde heute an der Ecke Osterstraße / Am Brauersgraben stehen. Die Osterpiepe, die Brücke über den Kanal, entspricht dem heutigen Teilstück der Osterstraße zwischen Am Brauersgraben und Stephanstraße.
Der am 24. Februar 1854 im schweizerischen Luzern geborene Landschaftsmaler Jacques Matthias Schenker studierte von 1870 bis 1876 an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Albert Flamm und an der Kunstschule in Weimar bei Theodor Hagen, dessen Meisterschüler er war. 1876 bis 1907 war er in Dresden tätig und gründete dort bereits 1879 eine Malschule für Damen! 1907 kehrte er in die Schweiz nach Vitznau im Kanton Luzern zurück. Dort starb er am 25. März 1927. Seine Vorliebe galt eigentlich den Landschaften der Normandie, aber das Gemälde „Die Osterpiepe in Emden“ zeigt deutlich, daß der Schweizer sich auch für norddeutsche Stadtansichten begeistern konnte.
Das Gemälde ist – die Datierung „Emden 7/8 91“ im Bild unten links verdeutlicht es – am 7. August 1891 entstanden. Wie ein Stempel auf der Rückseite bescheinigt, befand sich das Gemälde bis zu seinem Tode 1927 im Besitz des Künstlers. Ob Schenker es vor der Natur, also am Fuße der Osterpiepe gemalt hat, oder nach einer Skizze in seinem Atelier in Dresden, lässt sich nicht mehr ermitteln. Sicher ist jedoch, daß Schenker mehrere Emder Motive gemalt hat, da auf der Rückseite der Hartfaserplatte – wohl in der Handschrift Schenkers – „No 1 Emden“ geschrieben steht. Außerdem ist seit kurzem auch ein Bild in Emder Privatbesitz bekannt, das ebenfalls aus der Hand Jacques Matthias Schenkers stammt.

Aiko Schmidt M. A.